Howard Kanovitz
Death in Treme (mixed media environment, 1970)

EL SOURDOG HEX e.V. zeigt vom 6. Juli bis 29. August 2009 das Werk: Death in treme (mixed media environment, 1970) von Howard Kanovitz (*1929 Fall River, Massachusetts, USA)

Howard Kanovitz studierte Mitte der 40er Jahre Malerei an der Rhode Island School of Design in Providence. Seine ersten Werke in den fünfziger Jahren waren dem abstrakten Expressionismus zuzurechnen. Weitere zehn Jahre später entschied sich Howard Kanowitz für die realistischen Bilder. Der Stilbegriff des Realismus ist jedoch hierfür zu eng. Seine Bilder zeigen keine Realitäten, wie sie sind, sondern sie formulieren Zweifel an dem, was Wirklichkeit zu sein scheint. Howard Kanovitz malt Bilder, in denen das alltägliche Vertraute, das Selbstverständliche, das Banale wieder Anlass wird, vor der Wirklichkeit zu staunen.

"Alles ist, wie es ist, und doch anders, als es scheint." (Howard Kanovitz)

Vergleicht man die Wahrnehmung von Bildern von René Magritte und Howard Kanovitz, so hält sich Howard Kanovitz an die Wirklichkeit, zwar nicht unbedingt an die Realität der Bilder selbst, wohl aber an die Wirklichkeit der Technik ihrer Herstellung. René Magritte dagegen, hält sich an die Vorstellung; zwar nicht unbedingt an die traditionelle Weltvorstellung seiner Mitbürger, wohl aber an die Möglichkeit, das System unserer Vorstellungen zu manipulieren und zu mobilisieren. Er malte Bilder als Sprache die Welt zu buchstabieren, Bilder als Zeichen die Welt zu erfassen. Kanovitz kommt es nicht darauf an, Gegenstände oder eine bestimmte Konstellation von Gegenständen in einer bestimmten Beleuchtung abzuzeichnen, so wie sie das Foto zeigt, sondern es geht ihm darum, das Foto in seinem Charakter als Foto wiederzugeben, wodurch die Dinge gleichsam unbeabsichtigt und wie von selbst mit erscheinen, eine Art Konterbande, die das Foto in die Realität der Leinwand einschmuggelt. Dabei nutzt er seine sehr feine Sensibilität für Farbbeziehungen mit bildnerisch sehr intelligenten Farbbewegungen. Seit 1963 gehört er zu den wichtigsten Vertretern des Fotorealismus.

Wer sich so intensiv mit Fragen der technischen Prozesse des Bildmachens und damit der Magie des Scheins beschäftigt wie Howard Kanovitz, der muss um die Sichtbarkeit bangen. Es ist dieses Bangen um die Welt des Augenscheins, die seinen Bildern gerade in ihrer strengen Objektbezogenheit einen Hauch von Poesie verleiht.

Zu der Ausstellung im Lehmbruck-Museum 1974 schrieb Klaus Reinke in Die Zeit: "Hervorstechendes Merkmal seiner Bilder ist, dass die Zusammenhänge der Wirklichkeit keineswegs zugleich auch die Zusammenhänge der Wahrheit sein müssen."

"Die Fotografie hat das Ebenbild zerstört" (Elias Canetti)

Quellen:
Emil Herker, Textzitate
Jörn Merkert, Wieland Schmied, Werner Düttmann in: Howard Kanovitz, Arbeiten 1951-1978, Ausstellung der Akademie der Künste 1979, Seiten 7, 8, 9, 19, 27
Klaus Reinke in Die Zeit, 05.04.1974, Nr. 15