Edward Kienholz
ROXYS (1960-1961)

EL SOURDOG HEX e.V. präsentiert vom 9. November bis zum 30. Dezember 2009 ROXYS (environment, 1960-61) von Edward Kienholz.

Edward Kienholz startet sein künstlerisches Schaffen mit Holzreliefs. Er studiert für ein Jahr an einem College, besucht jedoch nie eine Kunstakademie. Er arbeitet unter anderem in einer Heilanstalt sowie als Manager einer Tanzkapelle und als Barbesitzer, lernt die verschiedensten Milieus kennen, bevor er sich seiner Tätigkeit als Objekt- und Konzeptkünstler endgültig widmet. Als Materialien verwendet Kienholz Gipsfiguren, Alltagsgegenstände sowie Fundstücke, die er gezielt auf Trödelmärkte sucht.

Im Jahr 1961 erstellt Kienholz sein erstes raumübergreifendes Werk: Das Environment mit dem Titel ROXYS zeigt eine authentische Nachbildung eines Bordells aus den 40er Jahren in Las Vegas. Kienholz füllt das surrealistische Bordell mit grotesken Interpretationen von Prostituierten, die nur noch Fragmente von Weiblichkeit zeigen. Auf der documenta 4 in 1968 wird ROXYS zum ersten Mal in Europa präsentiert.

"Die 'Madam', die Bordellmutter von ROXYS besteht aus einer halben, bis zu den Zähnen aufgetakelten Kleiderpuppe, diese Zähne, die in einem lüstern-wollüstig blickenden Tierschädel sitzen. [...] Wenn ich an Ed Kienholz' Nachbildung von ROXYS Bordell in Las Vegas denke, läuft mir immer noch ein kalter Schauder den Rücken hinunter. [...] Der Raum, den man betritt, ist der Inbegriff der Verkommenheit [...]. Das Mobiliar jener Zeit, der Nippes, die kleinen, das  traute" Heim vermittelnden Details, [...] all das trägt zur überzeugenden Realität der Szene bei."
(Barbara Rose, ROXYS, Art International, März 1963)

"Der Künstler situiert die Zeitbezüge ziemlich genau, doch sind die Accessoires nicht im Sinne einer historischen Milieustudie misszuverstehen. Bei ihm ist das Gewesene immer auf das Heute gemünzt. Die Glieder des Freudenmädchens, das auf der Maschine liegt, lassen sich mit dem Tretwerk bewegen: Allegorie der mechanischen Liebe, Sinnbild dessen, was sie aus den für Geld Ausübenden macht: Marionetten, Puppen."
(Günter Metken, Moralische Tableaux, Zum Werk von Edward Kienholz, Pantheon 1973)

Edward Kienholz stirbt 1994 in Hope, USA.

Ausgewählte Literatur:
Edward Kienholz, 11 + 11 Tableaux, Ausst.-Kat. Modern Museum Stockholm, 1970
ROXYS and other works, Texte von Nancy Reddin Kienholz, Ilona Lindenberg, Knut Nievers, Ausst.-Kat. Edward Kienholz. GAK-Gesellschaft für aktuelle Kunst e. V., Bremen, 1982
Aspects of Contemporary Art, Ausst.-Kat. Onnasch:, Museu d Art Contemporani de Barcelona, 2001
Günter Metken, Moralische Tableaux, Zum Werk von Edward Kienholz,Pantheon, 1973